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Berlin – „Cybersicherheit muss aus der engen technischen Betrachtung herausgelöst und als wirtschafts-, innovations- und sicherheitspolitische Querschnittsaufgabe verstanden werden“, mahnte Wolfgang Steiger jüngst auf einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates der CDU. Der frühere Bundestagsabgeordnete ist heute Generalsekretär dieses deutschlandweit organisierten Wirtschaftsverbandes, dessen Gründung im Jahr 1963 auf den legendären Bundeswirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) zurückgeht. Im Juni stellte der unionsnahe Wirtschaftsrat sein neues Strategiepapier „Wir bauen die Cybernation – Eine Strategie für eine sichere, souveräne und prosperierende Zukunft“ vor. Die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Claudia Plattner, nahm die Ausarbeitung vor Ort dankend entgegen. Inzwischen ist es eine Binse, dass innovationsgetriebene Cybersicherheit die zentrale Voraussetzung einer gelingenden digitalen Transformation ist. „Eine erfolgreiche Cybernation zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie Angriffe lediglich besser abwehrt“, argumentierte Steiger. „Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie über Bereiche und Zuständigkeiten hinweg neue wirtschaftliche Stärke und Wertschöpfung entwickelt.“ Ziel aller strategischen Überlegungen zur Cybersicherheit müsse die Herstellung digitaler Souveränität und echter nationaler Resilienz sein, betonte der 1964 in Rödermark im Landkreis Offenbach geborene Wirtschaftsexperte. Die Cybernation-Konferenz 2026 war für den Wirtschaftsrat durch die Zusammenführung von über 280 Entscheidern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Sicherheitsarchitektur ein voller Erfolg.
Für maximale Medienresonanz sorgte am 4. und 5. Mai 2026 der sogenannte Wirtschaftstag des unternehmerischen Berufsverbandes. Schon zum 62. Mal fand diese Plattform zum Gedankenaustausch und zur Vernetzung von Politik und Wirtschaft statt. Als Hauptredner konnte man keinen Geringeren als Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßen. Er zog nach dem ersten Regierungsjahr eine Bilanz seiner Reformbemühungen und versprach den versammelten Wirtschaftsvertretern, dass die Union trotz koalitionsinterner Widerstände auf Reformkurs bleiben werde. „Unterschätzen Sie nicht meine Entschlossenheit und die der Union. Wir sind bereit“, gab sich der CDU-Vorsitzende kämpferisch. Mit Skepsis dürften die Teilnehmer aber Merz‘ Entlastungsversprechen aufgenommen haben: „Entlastung ist das Gebot der Stunde, nicht weitere Belastung. Das ist mit der Union nicht zu machen. Und mit mir persönlich auch nicht.“ Wolfgang Steiger mahnte in diesem Zusammenhang das Einhalten von Wahlversprechen an: „Die Bundesregierung braucht jetzt endlich Mut zu tiefgreifenden Strukturreformen. Das bisherige Reformtempo ist zu langsam, um dieses Land und seine Wettbewerbsfähigkeit wieder nach vorne zu bringen.“ Wirtschaftsrats-Präsidentin Astrid Hamker verband ihren grundsätzlichen Optimismus mit einem Appell an alle politischen Entscheidungsträger: „Deutschland hat alle Voraussetzungen, um wieder robuster und wettbewerbsfähiger zu werden – wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Der Wirtschaftstag will dazu Orientierung und Impulse geben.“
Generalsekretär Steiger konnte wieder einmal eine hochkarätige Gästeliste vorweisen. Aus dem Bundeskabinett traten neben Regierungschef Merz unter anderem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Digitalminister Karsten Wildberger auf. Das Ausland war durch Portugals Premierminister Luís Montenegro und Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur vertreten. Vor allem war das Who is Who der deutschen Wirtschaftselite bei der Berliner Veranstaltung versammelt. Darunter waren Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG, Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, und Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Mit dem diesjährigen Wirtschaftstag wurde der CDU-Wirtschaftsrat erneut seinem selbstgesteckten Ziel gerecht, mehr unternehmerischen Sachverstand in die Politik einzubringen und konkrete wirtschaftspolitische Impulse zu geben. Im Sinne Ludwig Erhards wirbt der branchenübergreifende Unternehmerverband für die Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft, um den Wirtschaftsstandort Deutschland auch in schwierigen Zeiten wettbewerbsfähig zu halten und so Beschäftigung und Wohlstand zu sichern. „Ohne soziale Marktwirtschaft gäbe es die Erfolgsgeschichte Deutschlands als Wirtschaftsnation nicht“, ist Wirtschaftsrats-Stratege Wolfgang Steiger überzeugt. „Deshalb übertragen wir Ludwig Erhards Prinzipien auf die heutige Zeit und entwickeln sie weiter. Nur erfolgreiche Unternehmen können Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und ihren Teil an den Sozial- und Rentenbeiträgen ihrer Beschäftigten tragen. Unser Credo lautet: Erst erwirtschaften, dann verteilen.“
Der Wirtschaftsrat zählt nach eigenen Angaben rund 13.000 Mitglieder, die den eingetragenen Verein mit ihren Beiträgen finanzieren. Er ist rechtlich selbständig, keine Teilorganisation der CDU und erhält von ihr auch keine finanzielle Unterstützung. Die klare finanzielle Trennung überwachen Wirtschaftsprüfer und Finanzbeamte.
Der Erfolgsgarant für die enge Vernetzung des Wirtschaftsrates mit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit ist Wolfgang Steiger. Der 61-jährige Hesse schlug nach seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Bankkaufmann eine parteipolitische Laufbahn ein. Er wurde Vorsitzender der CDU in seiner Geburtsstadt Rödermark und war neun Jahre lang CDU-Chef im Kreis Offenbach. Dem Bundestag gehörte er von 1994 bis 1998 und als Nachrücker für einen Parteifreund von 1999 bis 2002 an. Anstatt erneut für das „Hohe Haus“ zu kandidieren, erfand er sich als Unternehmer neu. 2004 wurde der begnadete Netzwerker ehrenamtlicher Landesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates in Hessen und ist heute als Generalsekretär in der Berliner Bundesgeschäftsstelle tätig. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und Hessischen Verdienstordens kritisiert auch die „eigene“ Bundesregierung, wenn sie nach seiner Überzeugung den ordnungspolitisch falschen Weg einschlägt. Im vorigen Oktober ging er hart mit der planlosen Verwendung des „Sondervermögens“ ins Gericht, das kaum Wachstumsimpulse schaffe: „Bei dieser Wunderwaffe ist Vorsicht angezeigt. Es kommt nicht nur auf die Höhe der Mittel an, sondern vor allem auf die Rahmenbedingungen, in die diese Mittel hinein vergeben werden.“ Im Bremser-Häuschen sieht er vor allem die Sozialdemokraten sitzen: „Wichtiger als die Höhe von Investitionsprogrammen ist eine bewusste Hinwendung zu einer wettbewerbs- und innovationsfreundlichen Denkweise. In Deutschland erscheint die Bundesregierung durch die ideologisch motivierten Blockaden der SPD davon weit entfernt.“