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Brüssel/Straßburg – Bei der letzten Europawahl am 9. Juni 2024 konnte die AfD ihren Stimmenanteil um 4,9 auf 15,9 Prozent steigern, obwohl gegen sie eine monatelange Diffamierungskampagne stattgefunden hatte. Einer der 15 gewählten AfD-Abgeordneten war der 1983 in Zweibrücken geborene Markus Buchheit. Der Jurist und Politikwissenschaftler arbeitete ab 2014 zunächst für den österreichischen Europaabgeordneten Franz Obermayr (FPÖ) und später als Berater der ENF-Fraktion, der die FPÖ angehörte. Schon zwei Jahre nach seinem AfD-Beitritt im Jahr 2017 zog der Europapolitik-Experte, der in seiner Studienzeit mehrere Praktikumsaufenthalte in Frankreich hatte, selbst ins Europaparlament ein. Auf Anhieb wurde er dort stellvertretender Leiter der AfD-Delegation. In Brüssel und Straßburg setzte Markus Buchheit viele politische Duftnoten und überzeugte damit die eigene Partei, die ihn für Europawahl 2024 auf den sehr guten Listenplatz sieben wählte.
Als AfD-Vertreter ist er Mitglied der Fraktion „Europa der souveränen Nationen“ (kurz ESN), der momentan Abgeordnete aus neun Ländern angehören. In der „Sofia-Erklärung“ vom April 2024 forderten mehrere patriotische Parteien den Erhalt der nationalen Grenzen und die Souveränität der Einzelstaaten. Nach der Europawahl im selben Jahr gründeten die frisch gewählten Abgeordneten dieser Parteien die Gruppe „Europa der souveränen Nationen“ und etwas später die ESN-Partei. Im Parlament gehört Buchheit den Ausschüssen für internationalen Handel sowie für Industrie, Forschung und Energie an. Des Weiteren ist er Mitglied der Delegation, die die Beziehungen zwischen dem Europäischen Parlament und dem chilenischen Nationalkongress pflegt. Außerdem beteiligt er sich am interparlamentarischen Austausch mit Abgeordneten aus Lateinamerika.
Das Steckenpferd des Pfälzers war aber von Anfang an der Verbraucherschutz auf europäischer Ebene. Erst dieser Tage rechnete er mit der Energiepolitik der Eurokraten ab. In den sozialen Netzwerken fragte er: „Endlich Entlastung bei der Stromrechnung? Von wegen! Neue Jobs? Ja – in China! Die EU jagt Fantasieplänen hinterher. Wir leben aber weder in Utopia noch Bullerbü, sondern in der Wirklichkeit.“ Er bezog sich auf den sogenannten Electrification Action Plan, der angeblich im Interesse der EU-Bürger die Stromkosten senkt. „Nein, das ist nicht der Fall. Es wird wieder annahmeseitig auf der Nachfrageseite rumgearbeitet; es wird die Nachfrage nach Strom gesteigert“, konstatierte Buchheit im Parlament als Redner der ESN-Fraktion. „Sie versprechen uns Jobs: Sie werden Jobs schaffen, aber in China. Wir haben 80 Prozent der Wertschöpfung, was Solarzellen angeht, bekanntermaßen in China.“ Europa habe in diesem Bereich keine nennenswerte Eigenproduktion. „Sie versprechen Wachstum: Sie werden Deindustrialisierung schaffen“, wandte sich der Abgeordnete an die EU-Kommission. „Wir haben keine Netze, die dafür ausgelegt sind, diese Nachfrage handeln zu können; wir haben nicht die Batteriekapazitäten. Sie reden von einem Plan, der irgendwann in der Zukunft vielleicht umgesetzt werden könnte.“ Nach Buchheits Überzeugung schafft der Electrification Action Plan keine niedrigeren Strompreise, sondern nur planwirtschaftliche Unfreiheit.
Wie viele andere AfDler ist er Social-Media-affin und nutzt unterschiedliche Kanäle, um seine politische Tätigkeit vorzustellen und für seine Ziele zu werben. Bei Facebook hat er mehr als 62.000 Follower, beim Kurznachrichtendienst X knapp 6.000 und auch bei Instagram findet man ihn. Jüngst beklagte er bei Facebook einen neuen Fall von jugendlicher Migrantengewalt. Vier Jugendliche aus Mali und Portugal sollen in Halle mehrere Mädchen in einer Wohnung vergewaltigt und zuvor mit Drogen oder Alkohol betäubt haben. Zwei Mädchen mussten ins Krankenhaus. „Drei der Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Der vierte – erst 13 Jahre alt – ist bereits wieder auf freiem Fuß. Nicht strafmündig“, kritisierte der AfD-Politiker. Das sei alles andere als ein Einzelfall: 2018 habe es in Deutschland 659 Gruppenvergewaltigungen gegeben und 2025 bereits 751. „Ein 13-Jähriger vergewaltigt junge Mädchen und läuft anschließend wieder frei herum. Das ist der Rechtsstaat, von CDU/CSU und SPD! Das ist die harte Linie von Kanzler Merz.“ Der Beitrag wurde 3.300-mal kommentiert und fast 2.000-mal geteilt. Das ist schon eine enorme Resonanz für einen Europaabgeordneten, deren Tätigkeit oft wenig Aufmerksamkeit bekommt.
Buchheit nutzt auch andere Medien, um auf gesellschaftliche Missstände und insbesondere die leere Symbolpolitik der EU hinzuweisen. So hält er das am 12. Juni 2026 in allen Mitgliedstaaten in Kraft getretene Migrations- und Asylpaket für reine Augenwischerei zur Wählertäuschung. Die EU verspricht sich von den etwas strengeren Asylvorschriften einen besseren Schutz der Außengrenzen. Der AfD-Mann sieht in dem Pakt jedoch nur ein Feigenblatt, das den Bürgern eine Veränderung vorgaukeln soll. In einem Interview mit dem Online-Portal „PI-News“ sagte er: „Er schafft keine Lösung für die Einwanderungskatastrophe, sondern institutionalisiert sie. Auf die Frage, wie wir illegale Migration künftig verhindern, gibt der Migrationspakt keine überzeugende Antwort.“ Migration dürfe nicht als „unvermeidbare Realität“ betrachtet werden, die bloß zu moderieren und zu verwalten sei. „Würde die derzeit vorherrschende Politik in Europa ein Ende der Massenmigration tatsächlich anstreben, wäre das politisch auch ohne weiteres durchsetzbar“, ist der Europaabgeordnete überzeugt. „Wer die Migrationsflut stoppen will, muss ganz klar machen, dass sich der Weg nach Europa nicht lohnt und die Außengrenzen auch konsequent schützen.“ Der 42-Jährige erwartet das Scheitern des Migrationspakets, weil das gar nicht auf einen Stopp der Massenzuwanderung abziele, sondern nur auf dessen Verwaltung. Sollte der Ansturm nicht bald enden, sieht er eine existentielle Bedrohung für die europäischen Nationalstaaten, aber auch ein großes Legitimationsproblem der Europäischen Union. „Ein Staat, der eine Existenzberechtigung haben will, muss seine Grenzen kontrollieren, Regeln durchsetzen und Sicherheit gewährleisten können. Gelingt das nicht, wird auch das Vertrauen der Bürger immer stärker schwinden“, warnt Buchheit. „Aus diesem Grund ist die Frage, ob ein Ende der Masseneinwanderung gelingen wird, gleichzeitig eine der entscheidenden Zukunfts-, ja, Schicksalsfragen der Europäischen Union.“
In vielen Bürgerdialogen stellt er die Politik der ESN-Fraktion vor, besonders gerne in Bayern, wo er aufwuchs. Mit mehreren Fraktionskollegen lud er für den 18. Juni nach Greding ein. Dazu schrieb er: „Wir werden darüber diskutieren, wie wir Bayern und Deutschland wieder eine Zukunft geben können.“