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AfD-Politiker Dr. Maximilian Krah als „deutscher Donald Trump“?

AfD-Politiker Dr. Maximilian Krah als „deutscher Donald Trump“?

Dresden – An der AfD als Ganzes arbeitet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk permanent ab, aber nur wenigen Vertretern dieser Partei werden ganze Sendungen gewidmet. Einer von ihnen ist Maximilian Krah, der 1977 in Räckelwitz bei Bautzen geboren wurde und ist in Dresden aufwuchs. Im Oktober 2026 erschien die ARTE-Dokumentation „Der deutsche Trump – Maximilian Krah und die AfD“ und erregte maximale Aufmerksamkeit. Der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für das Chemnitzer Umland wird dort als zentraler Vordenker der rechtskonservativen Partei vorgestellt. Nach seinem Wehrdienst studierte Krah in Elbflorenz zunächst Rechtswissenschaften, wurde als Rechtsanwalt zugelassen, promovierte und schob ein wirtschaftswissenschaftliches Zweitstudium in New York und London hinterher. Von 2010 bis 2012 nahm der ehrgeizige Sachse am Global Executive MBA-Programm der Columbia Business School in New York City sowie der London Business School teil und machte seinen Abschluss als Master of Business Administration. Allein schon deshalb wurde ihm die angelsächsische Welt vertraut und ist es im Zeitalter von US-Präsident Donald Trump mehr denn je. Zunächst engagierte sich der weltgewandte Jurist in der CDU, die er aber 2016 verließ, um sich kurz darauf der AfD anzuschließen. Dort standen dem kommunikationsfreudigen Vorzeige-Akademiker alle Türen offen, die ihn als Abgeordneten ins Europaparlament führten. Als Mitglied der Fraktion „Identität und Demokratie“ war er unter anderem Delegierter für die Beziehungen zu den USA und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel. Seit März 2025 sitzt der bekennende Katholik und achtfache Vater für seine Partei im Bundestag.

In der ARTE-Produktion wird er direkt danach gefragt, was er von Donald Trump hält und wie der ihn programmatisch und kommunikativ beeinflusst hat. Obwohl der Republikaner in der deutschen Medienlandschaft seit seiner ersten Präsidentschaft durchweg dämonisiert wird, hat der AfD-Politiker mit der Zuschreibung als „deutscher Trump“ nicht das geringste Problem. Der 49-Jährige outet sich selbstbewusst als „Trump-Fan der ersten Stunde“ und verweist auf die Rückendeckung, die die AfD aus dem Lager des Präsidenten erhält. Er nennt gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender explizit die Fürsprache durch Vizepräsident JD Vance und den Tech-Unternehmer Elon Musk. Trumps „Make America Great Again“-Bewegung – kurz MAGA – und die AfD haben inhaltliche Schnittmengen in der Gesellschafts- und Migrationspolitik.

Mitte 2024 bekannte sich der damalige Europaabgeordnete zu Donald Trump als Vorbild und Inspirationsquelle, obwohl dessen Wiederwahl wenige Monate später völlig ungewiss war. Jeder müsse seinen eigenen Weg gehen, sagte Krah in einem „Sachsen Fernsehen“-Interview, „aber dass Trump mich ermutigt und dass es viele Dinge gibt, wo man sagen kann, jetzt machen wir‘s mal wie Trump, ohne Frage“. Dem Republikaner attestierte er ein großes Talent für zugkräftige politische Kampagnen: „Sie haben zwei Wege, wie Sie rechte Politik praktizieren und verkaufen können. Sie haben Giorgia Meloni und Sie haben Donald Trump. Jetzt können Sie sich fragen, bin ich Giorgia Meloni oder bin ich Donald Trump? Ich bin Donald Trump.“ Zufrieden verbreitete der AfD-Politiker das Interview im Youtube-Format, das der Sender mit der Frage „Deutscher Trump?“ versehen hatte, auf seinen vielen Social-Media-Kanälen.

Krah nutzt systematisch und ideenreich die sozialen Netzwerke. Allein im Kurznachrichtendienst X meldet er sich oft mehrmals täglich zu Wort und diskutiert dort mit seinen fast 100.000 Followern über alles Mögliche. Jüngst schrieb er: „Die Akzeptanz der politischen Rechten ist mehr als eine Frage der Inhalte. Es geht um den Habitus. Wer durch Sprache, Scheitel und Kleidung wirkt wie aus dem Jahrhundert gefallen, wird immer Abwehr erzeugen.“ Am selben Tag äußerte er sich dort zu den ewigen Irrtümern linker Steuerpolitik und richtete seinen Blick auf die Vereinigten Staaten: „Kalifornien erwägt, eine einmalige Vermögensabgabe von fünf Prozent auf alle Milliardenvermögen. Ergebnis: Flucht der Milliardäre, die am Ende den Staat mehr kosten wird als durch die Besteuerung der Verbleibenden einbringen wird. Merke: In einer mobilen Welt sind Vermögenssteuern sinnlos.“

Als Trump Anfang dieses Jahres Gebietsansprüche auf Grönland anmeldete, sah die AfD-Bundestagsfraktion darin keine Eskalationsgefahr. „Aus unserer Sicht wird da gar nichts anbrennen, auch wenn in der Diskussion mal ein bisschen rustikal irgendwie vorgegangen wird“, erklärte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Bernd Baumann. Maximilian Krah witterte in dem Konflikt eine günstige Gelegenheit zum Ausbau der angeschlagenen deutsch-amerikanischen Beziehungen: „Wir haben jetzt eine einmalige Chance: Deutschland als best friend Amerikas in Europa.“ Die Bundesregierung solle sich „raushalten“ und lieber als erster Ansprechpartner der USA in Europa „bewerben“.

Der Bundestagsabgeordnete lässt sich auf kein Themenfeld einengen, sondern versucht sich an einer rechten Gesamtpolitik aus einem Guss. Sein Manifest „Politik von rechts“ ist inzwischen in der achten Auflage erschienen. Mit diesem knapp 230-seitigen Buch lege Krah „eine weltanschaulich fundierte Alternative zum dominierenden Linksliberalismus vor“ und unterstreiche seinen Ruf, „einer der streitbarsten und visionärsten Politiker der AfD zu sein“, lobt sein Verlag. Auch zur Migrationsproblematik äußert sich Krah, wenngleich manche seiner Wortmeldungen moderater klingen als früher. Als jetzt Brandenburgs CDU-Innenminister Jan Redmann Stellung zur eskalierenden Jugendkriminalität in Potsdam bezog und klarstellte, dass „alle Täter einen Migrationshintergrund haben“, schrieb der AfD-Mann bei X: „Potzblitz aber auch! Man kann eine heterogene Einwanderergesellschaft von 2026 nicht mit Polizei- und Justizverfahren einer pazifizierten homogenen deutschen Gesellschaft von 1970 ordnen. Man muss Bukele wagen und kompromisslos durchgreifen. Sonst geht alles ins Chaos!“ Krah bezog sich auf den salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele, der für seinen ebenso rigorosen wie erfolgreichen Kampf gegen die Straßen- und Drogenkriminalität bekannt ist.

Mit Spannung dürfte Maximilian Krah auf die Kongress-Zwischenwahlen am 3. November 2026 schauen. An diesem Tag wählen die US-Amerikaner einen Teil des Senats und das ganze Repräsentantenhaus neu. Sollten die Republikaner ein Fiasko erleben und sogar noch die Mehrheit im Senat verlieren, wäre Trump für den Rest seiner Amtszeit vieler politischer Einflussmöglichkeiten beraubt. Und die Schuld daran trüge er hauptsächlich selbst. Wegen des Bruchs zentraler Wahlversprechen sind seine Umfragewerte historisch schlecht, und sogar in der MAGA-Bewegung bröckelt der Rückhalt. Krah wird seine guten US-Kontakte sicher auch nach den sogenannten Midterms pflegen und vielleicht noch ausbauen. Schließlich zeichnet sich schon ein Trumpismus ohne Trump ab.