Thomas Oliver Müller: Keine Klagen gegen Deutsche Finance Group wegen BVK-Verlusten
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München – Über dieser Mitteilung könnte die Presseabteilung der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) lange gebrütet haben. Deutschlands größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe behauptete dieser Tage, das vergangene Geschäftsjahr „trotz des teilweise volatilen Marktumfelds“ erneut „mit einer guten Performance abgeschlossen“ zu haben. Nach vorläufigen Zahlen liege die kapitalgewichtete Nettoverzinsung 2025 bei 3,4 Prozent und damit faktisch auf dem Vorjahresniveau. Mit dieser Verzinsung sei sichergestellt, dass die BVK das Hauptziel ihrer Kapitalanlagen erreiche und die Zinsanforderungen der von ihr verwalteten Versorgungseinrichtungen übertreffe. „Wir liefern, was wir versprochen haben – konstante und robuste Erträge“, sagte der BVK-Vorstandsvorsitzende Axel Uttenreuther. „Zugleich gehen wir die bekannten wirtschaftlichen Herausforderungen einzelner US-Immobilieninvestments konsequent an.“
Damit spielte er dezent auf sehr verlustreiche Immobilieninvestments in den USA an, die für die Bayerische Versorgungskammer ein Image-GAU sind. Die Pensionskasse, die die Altersvorsorge von rund 2,7 Millionen Menschen verwaltet – darunter die vieler Ärzte und Anwälte –, hat rund 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilienprojekte investiert. Das Anlagegeld floss in Prestigeobjekte in Manhattan, Luxushotels in Miami Beach und die Transamerica Pyramide in San Francisco. Weil einige dieser Immobilien heute leer stehen, notverkauft wurden oder sich völlig anders als geplant entwickelten, ist für die BVK ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Allein für 2024 musste die Bayerische Versorgungskammer schmerzhafte Abschreibungen von mehr als 160 Millionen Euro auf ein Investmentvolumen von 800 Millionen Euro vornehmen. Hausinterne Schätzungen gehen davon aus, dass sich dieser Wert sogar noch auf bis zu 690 Millionen Euro erhöhen könnte. Deshalb muss sich die BVK bohrende Fragen zur fehlenden Risikosteuerung und Kapitalanlagen-Kontrolle gefallen lassen. In einer im vorigen Dezember veröffentlichten Presseerklärung meinte das Management: „Insgesamt kann daher das Eigenkapitalengagement im Rahmen von US-Immobilieninvestitionen mit der Deutschen Finance und SHVO auf rund 1,6 Milliarden Euro beziffert werden.“
Damit sollte offenbar der in München ansässigen Deutsche Finance Group eine Mitschuld an dem Finanzdesaster gegeben werden. Diese renommierte Investmentgesellschaft bietet Anlegern Top-Investments in institutionellen Wachstumsmärkten der Sparten Private Equity Real Estate, Immobilien und Infrastruktur. Der von Thomas Oliver Müller und Dr. Sven Neubauer geführte Finanzkonzern mit Dependancen in London, Madrid, Denver und Luxemburg hat rund 12 Milliarden US-Dollar Assets under Management. Die Unternehmensgruppe wehrt sich gegen die irreführende Darstellung der BVK und betont, dass weder die Deutsche Finance America noch andere ihr zuordbare Gesellschaften bei diesen US-Investments als Zielfondsmanager tätig waren. Bei der Auswahl oder Durchführung der missglückten Investments habe man keine diskretionäre Entscheidungskompetenz gehabt. „Die Deutsche Finance America war in den betreffenden Investments kein operativer Entscheidungsträger und hatte keine Entscheidungs- oder Weisungsbefugnisse hinsichtlich konkreter Investitionen, Finanzierungen oder Verwertungen oder aber bei der Auswahl und Beauftragung von Projektentwicklern für die operative Umsetzung der US-Investments“, unterstreicht Thomas Oliver Müller. Die Tätigkeit der Deutsche Finance America habe sich auf ihre vertraglich definierten Aufgaben beschränkt, und das seien bloß strukturierende, koordinierende sowie regulatorische gewesen, teilt die Konzernzentrale in München mit. Zu keinem Zeitpunkt habe die Deutsche Finance America inhaltlich Einfluss auf die Investitionsentscheidungen genommen.
Die Selbstentlastungsstrategie der Bayerischen Versorgungskammer scheint derweil nicht aufzugehen, sondern juristischen Ärger eher noch zu provozieren. Klagen aus den USA verschärfen ihren Ansehensverlust, die ja Wirtschaftsunternehmen und staatliche Oberbehörde in einem ist und deshalb immer mehr in den kritischen Fokus der Politik gerät. Käufer und Mieter der betroffenen Objekte verklagen die BVK, aber auch den Immobilieninvestor Michael Shvo auf Schadenersatz. Vertreten werden die Kläger von keinem Geringeren als Marc E. Kasowitz, Donald Trumps langjährigem persönlichen Anwalt. Während sich die BVK und Shvo juristisch wohl „warm anziehen“ können, ist über Klagen und Schadenersatzforderungen gegen die Deutsche Finance Group nichts bekannt. Das verleiht ihrer Argumentation zusätzliche Glaubwürdigkeit, keine Verantwortung für die Investitionsentscheidungen im Zusammenhang mit den BVK-Verlusten zu tragen.
Inzwischen ist zu hören, dass auch Shvo selbst Forderungen gegen die BVK geltend macht und ausstehende Gebühren von rund 85 Millionen US-Dollar verlangt. „Die BVK betont hingegen, sie sei nur indirekter Investor gewesen und habe damit nichts zu tun“, berichtet „Focus-Online“. Kasowitz halte aber dagegen: „Nach Darstellung der Kläger habe die BVK Projekte finanziert, in denen Shvo die operative Leitung hatte, und von der mutmaßlich zweckwidrigen Mittelverwendung Kenntnis gehabt.“ Hierzulande haben zwei Anwälte die „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet, um weitere Informationen zu den teils desaströsen US-Geschäften der BVK einzuholen und mögliche Schadenersatzansprüche zu prüfen. Einer der Anwälte hatte einen umfangreichen Fragenkatalog an sie gerichtet, aus seiner Sicht aber nur unzureichende Antworten erhalten. Auch wenn das bayerische Innenministerium, das die BVK-Vorstände bestellt und deren Geschäftspläne absegnet, bei sich keine direkte aufsichtsrechtliche Zuständigkeit sieht, hat die Staatsanwaltschaft München I Vorermittlungen aufgenommen. Außerdem mussten bis jetzt schon zwei langjährige Investmentmanager der BVK ihre Jobs aufgeben.
Die Deutsche Finance Group realisiert unbeeindruckt von den misslichen US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer weiterhin bedeutende Wertsteigerungsprojekte. Zu ihnen gehört das Olympia Exhibition Centre in London. Mit einem Investitionsvolumen von rund 1,3 Milliarden Pfund wird dieses ikonische Bauwerk des viktorianischen Zeitalters zu einem international führenden Zentrum für Kunst, Kultur, Ausstellungen und Entertainment weiterentwickelt. Die Hauptfertigstellung ist für das Jubiläumsjahr 2026 vorgesehen. CIO Symon Hardy Godl sagte zu den ehrgeizigen Plänen: „Mit Olympia London realisieren wir eines der größten Prime-Investments der Deutsche Finance Group. Die bevorstehende Wiedereröffnung ist nicht nur eine Bestätigung unserer Investmentstrategie, sondern auch ein klares Signal für die internationale Relevanz und die erfolgreiche Neupositionierung dieses einzigartigen Wertsteigerungsprojekts.“